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Stand: 17.09.2022

Zinswende & Co. -  Wo könnte sich der Markt für Immobilien zum Kauf aufgrund der derzeitigen Einflussfaktoren hin entwickeln?*

 

Schon seit Jahren liest man in den Medien aufgrund der stetig gestiegenen Angebotspreise von Immobilien von der Gefahr eines überhitzen Immobilienmarktes und einer drohenden Immobilienblase. Trotz all der warnenden Berichte kannte der Immobilienmarkt Jahre lang nur eine Richtung. Nach oben.

Nachdem die EZB nun aufgrund der hohen Inflation in bislang zwei Zinsschritten den Leitzins von 0 Prozent auf derzeit 1,25 Prozent angehoben hat, sind in Folge die Bauzinsen erheblich gestiegen. Weitere Zinsschritte werden erwartet. Dies hat eine Diskussion über die möglicherweise daraus resultierende Entwicklung des Immobilienmarktes ausgelöst. Droht jetzt zusätzlich zur Energiekrise auch noch eine Krise am Immobilienmarkt? Fallen nun auf einmal deutschlandweit die Kaufpreise für Immobilien?

Um die Marktentwicklung verlässlich vorherzusagen, bräuchte man eine Glaskugel. Niemand kann mit Sicherheit vorhersehen und vorhersagen, wohin sich der Markt für Immobilien zum Kauf am Ende tatsächlich hinbewegen wird. Auch wir als Immobilienmakler und aktiver Marktteilnehmer können das selbstverständlich nicht. Aber aufgrund der bisher gemachten Beobachtungen haben wir von asgari immobilien eine subjektive Meinung entwickelt und sind für uns zu einer vorübergehenden Einschätzung gelangt.

Nachdem es täglich neue Entwicklungen gibt, welche zu einem geänderten Verhalten der Marktteilnehmer führen können, ist dieser Artikel über unsere subjektive Ansicht zum Thema als eine unverbindliche Momentaufnahme unserer Sicht zum Thema zu verstehen.

Soweit wir in diesem Blog von Preisen sprechen sind damit natürlich die für die Marktteilnehmer wahrnehmbaren Angebotspreise gemeint und nicht die am Ende tatsächlich beurkundeten Preise.

Fangen wir also mit den gemachten Beobachtungen an, bevor wir daraus Schlüsse für eine mögliche weitere Entwicklung ziehen...

 

 

Was waren die Gründe für die stetigen Preissteigerungen der letzten Jahre?*

 

Ein wesentlicher Grund für die stetigen Preissteigerungen waren insbesondere die niedrigen Bauzinsen. Allerdings nicht nur. Es gab noch einige weitere Gründe.

Letztlich geht es immer um Angebot und Nachfrage. Preise steigen immer dann, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot knapp ist und sie fallen, wenn das Angebot hoch ist aber die Nachfrage fehlt. Aber der Reihe nach.

Dies waren die Gründe für den nachhaltigen Preisanstieg der letzten Jahre:

  1. Bauzinsen niedriger als Geldentwertung (Inflation)
    Die Bauzinsen lagen in den letzten Jahren bis zum ersten Quartal 2022 deutlich unter der Inflation. Dies hatte zur Folge, dass man sozusagen durch die Aufnahme eines Kredits Geld weniger an Zinsen zahlen musste, als das Geld durch die Inflation entwertet wurde. Da man die mit Fremdkapital gekaufte Immobilie als langfristigen Gegenwert hat, bekam man so gesehen praktisch Geld geschenkt. Wer in dieser Zeit einen sehr günstig verzinsten Kreditvertrag geschlossen hat, ist heute bei der auf einmal extrem hohen Inflation so gesehen also ein echter Gewinner der Inflation.
    Das hat die Nachfrage nach Immobilien erheblich angeheizt.

  2. Einbrechende Sparzinsen und Strafzinsen
    Zeitgleich sanken sukzessive die Sparzinsen. Es wurden bei vielen Banken aufgrund der niedrigen Zinsen für hohe Vermögen auf Bankkonten sogar Strafzinsen eingeführt. Dies führte dazu, dass das frei verfügbare Gelder anderen Ortes angelegt werden musste, wenn man kein Geld verlieren wollte.
    Nachdem Immobilien als sichere Anlage gelten, hat dies die Nachfrage zusätzlich erhöht.

  3. Aussicht auf Spekulationsgewinne durch steigende Immobilienpreise
    Ein Haus bzw. eine Wohnung ist im Gegensatz zu einem Grundstück der Alterung unterworfen. Im Grunde sind Haus und Wohnung wie ein Produkt zu sehen, welches im Normalfall mit zunehmendem Alter an Wert verliert. Daher kann ein Gebäude bzw. eine Wohnung mit Nutzung als Kapitalanlage im Gegensatz zu einem Grundstück steuerlich abgeschrieben werden. Da die Immobilienpreise stetig gestiegen sind, hatte man aber auf einmal praktisch keinen Wertverlust durch Alterung mehr, sofern wir einmal von möglicherweise getätigten Investitionen in Sanierungen absehen. Im Gegenteil. Alte Immobilien waren trotz Inflation - auch relativ in Bezug auf die Kaufkraft gesehen - auf einmal mehr Wert als früher. Man konnte demnach also praktisch nichts falsch machen.
    Die Aussicht auf Spekulationsgewinne durch Immobilieneigentum hat infolge - etwas überzogen ausgedrückt - sozusagen eine Art Goldrausch ausgelöst, zumal bei ausreichend lange selbstgenutzten Immobilien u.U. noch nicht einmal Steuern auf den Gewinn bei Wiederveräußerung zu zahlen sind.

  4. Investoren aus dem Ausland erwerben als Kapitalanlage Immobilien in Deutschland
    Deutschland kennt keine Einschränkungen bezüglich Immobilieninvestitionen aus dem Ausland. Egal in welchem Land jemand seinen Wohn- oder Firmensitz hat, darf - anders als z.B. in asiatischen Ländern - jeder in Deutschland uneingeschränkt Immobilien erwerben. Deutschland gilt international als ein besonders sicheres Land. Schon dies ist für Investoren aus dem Ausland ein riesiger Anreiz eine Immobilie in Deutschland zu kaufen, denn es gibt Länder, in denen der Besitz des ersparten Geldes für den Bürger des Landes aus politischen Gründen unter Umständen nicht auf Dauer gesichert ist. Und es gibt Länder, in denen der dauerhafte Erwerb von Immobilieneigentum gar nicht möglich ist. In China z.B. ist das Recht am Eigentum an einer Immobilie auf max. 70 Jahre beschränkt.
    Hinzu kommt, dass die steigenden Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt, also die zu erwartende Spekulationsgewinne, deutsche Immobilien zusätzlich interessanter haben werden lassen.
    Ausländische Investoren (gemeint sind solche ohne Wohn- bzw. Firmensitz in Deutschland) verknappen mit Ihren Investitionen das für Menschen die hier leben und wohnen verfügbare Angebot an Immobilien zum Kauf.

  5. Wachsende Bevölkerung
    Wir hatten eine extrem starke Wirtschaft und Deutschland gilt als ein besonders reiches Land mit viel Wohlstand. Zeitgleich haben wir Fachkräftemangel. Es gilt in Europa freie Wohnortswahl und Deutschland ist sicherlich unbestritten ein Einwanderungsland. Auch wenn die Geburtenrate nicht steigt, wächst die Bevölkerung aufgrund Zuzug stetig. Jeglicher Zuzug aus dem Ausland, egal ob innereuropäisch oder nicht, sorgt insbesondere in den Metropolen, wo aufgrund des Arbeitsplatzangebotes die meisten wohnen möchten, für eine Verknappung des Wohnungsangebotes. Dies gilt nicht nur für Mietwohnungen, sondern auch für Wohneigentum. Das verfügbare Immobilienangebot wird durch den Zuzug also verringert.

  6. Zu wenige neu gebaute Wohnungen
    Es wurde in den vergangenen Jahren insgesamt zu wenig neu gebaut. Auch seitens der öffentlichen Hand. Es mangelt in Deutschland unbestritten an Wohnraum. Eben wegen der wachsenden Bevölkerung. Dieses lässt die Mieten in den Metropolen und deren Umland seit Jahren steigen.
    Das Angebot an neu verfügbaren Immobilien hat sich mengenmäßig nur geringfügig erhöht. Es wurden weniger Wohnungen neu gebaut als die steigende Anzahl der Menschen, die eine Wohnung benötigen, gewachsen ist. Dieses Missverhältnis hat die Nachfrage zwangsläufig erhöht.

  7. Fortwährende verschärfte Auflagen, primär energetische Auflagen
    Beginnend mit der ersten Energieeinsparverordnung EnEV von 2009 wurde die EnEV immer wieder novelliert und regeln verschärft. Außerdem wurden auch andere Bauauflagen verschärft, die den Bau verteuert haben (z.B. Brandschutz, Kinderspielplätze, Stellplatzverordnung, etc.). Das hat das Bauen neuer Gebäude erheblich verteuert. Auch sanierte Bestandsimmobilien wurden dadurch preislich verteuert.

  8. 10-jährige Spekulationsfrist
    Die starre 10-jährige Spekulationsfrist hat viele eigentlich verkaufswillige Eigentümer von Immobilien zur Kapitalanlage (nicht selbst genutzte Immobilien) daran gehindert Ihre Immobilie zu veräußern, da der Gewinn bei Veräußerung vor Ablauf der vollständigen Frist voll zu versteuern ist. Diese Immobilien haben am Markt gefehlt und das Angebot verringert, was angesichts der hohen Nachfrage die Preissteigerungen zusätzlich angeheizt hat.

  9. "Bestellerprinzip" bzgl. der Makler-Vermittlungsprovision
    Die Einführung des Bestellerprinzips war, wie von den Verbänden vorhergesagt und auch von uns prognostiziert, ein nachhaltiger Preiserhöhungsfaktor. Zum einen werden seit dem die Provisionen (auch bei Privatverkäufen ohne Makler) von der Verkäuferseite häufig als Aufschlag in den Preis inkludiert. Zum anderen sind seither gehäuft überzogene Mondpreise und unbetreute exorbitante Kaufpreisvorstellung zu beobachten, welche nach dem Motto "was-der-verlangt-velange-ich-auch-und-noch-ein-wenig-mehr"-Nachahmeffekte durch unerfahrene Verkäufer nach sich ziehen können und so langfristig den Markt hochziehen.

    Es ist völlig falsch - wie oft vorurteilend beim beliebten Makler-bashing behauptet wird - dass Makler die Preise nach oben ziehen. Ganz im Gegenteil. Erfahrene Makler recherchieren den Markt ganz genau und werben für eine marktgerechte, relistische Preisvorstellung. Schießlich kann kein Makler als Kaufmann und Unternehmer Interesse an einem unverkäuflichen Ladenhüter haben, welcher am Ende auschließlich Ausgaben produziert und somit für Verlust sorgt.

 

 

Was aktuell für sinkende Immobilien-Kaufpreise spricht.*


Betrachten wir zuerst, was eher für sinkende Preise sprechen, bzw. diese verursachen könnte, bevor wir über mögliche Gründe für weiter steigende Kaufpreise nachdenken.

  1. Steigende Bauzinsen
    a) Steigende Bauzinsen verteuern den Kredit erheblich. Viele potenzielle Käufer, welche bis zum ersten Quartal 2022 aufgrund des niedrigen Zinssatzes mit Ihrem Einkommen noch eine Finanzierung bekommen und gut hätten tilgen können, können sich einen Baukredit auf einmal nicht mehr leisten.
    Dadurch sinkt die Nachfrage. Weitere Zinsschritte werden dies noch verstärken.

    b) Steigende Bauzinsen treffen auch solche Kreditnehmer, welche in den letzten Jahren entweder eine Immobilie mit Kredit mit kurzer Laufzeit abgeschlossen hatten und nun eine Anschlussfinanzierung mit hohen Zinsen stemmen müssen, oder welche für einen Neu-/Umbau einen zu niedrigen Kredit abgeschlossen hatten und nun eine zusätzliche Finanzierung benötigen. Die ursprüngliche Kalkulation geht u.U, auf einmal nicht mehr. Dies kann schlimmstenfalls dazu führen, dass die Immobilie abgestoßen werden muss. Es kommen dadurch u.U. mehr Immobilien auf den Markt.

  2. Inflation
    Zu den steigenden Bauzinsen kommen noch die extrem erhöhten Lebenshaltungskosten aufgrund der hohen Geldentwertung dazu. Die explodierenden Energiekosten gehören hier selbstverständlich dazu. Dieses erschwert eine Kredittilgung zusätzlich, da weniger freie Geldmittel zur Verfügung stehen.

  3. Hohe Baukosten
    Zusätzlich zur allgemeinen Preissteigerung steigen die Baukosten überdurchschnittlich. Die Finanzierbarkeit wird zusätzlich zu den hohen Bauzinsen erschwert. Da im Bau inzwischen sogar Tagespreise gelten, ist das langfristig angelegte  Bauen kaum mehr planbar. Dies hat in Folge mehrere Effekte:

    a) Das Interesse an Baugrundstücken könnte sinken, es sei denn für Vorratsgrundstücke. Auch das Interesse an stark sanierungsbedürftigen Immobilien könnte sinken.

    b) Bauträger verschieben aufgrund der schlechten Kalkulierbarkeit u.U. geplante Projekte.

    c) Auch Privatleute könnten Ihre Pläne zumindest vorübergehend auf Eis legen.

  4. Allgemeine Verunsicherung und Spekulation über Marktentwicklung
    All das vorgenannte sorgt für allgemeine Verunsicherung sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite. Man fragt sich, wo die Reise hingehen könnte. Es kommen allgemeine Spekulationen auf, dass die Preise nun sinken könnten. In den Medien wird das Thema prominent behandelt und die schon tausendmal prophezeite Immobilienblase wieder heraufbeschwört. Ob es tatsächlich so ist oder so kommt, spielt erst mal keine Rolle. Die dadurch entstehende Verunsicherung hinterlässt so oder so Spuren.

    a) Auf der Verkäuferseite könnte man sich motiviert sehen, eine Immobilie, über deren Verkauf man schon länger nachdachte, ggf. noch rechtzeitig auszustoßen. Das erhöht das Angebot am Markt.

    b) Auf der Käuferseite könnte auf sinkende Preise spekuliert werden, was sich in Kaufzurückhaltung ausdrücken könnte. Die Nachfrage könnte also sinken.

 

 

Was spricht gegen sinkende, d.h. eher für steigende Immobilienpreise?*

 

Es gibt auch eine Reihe von Aspekten, welche eher dafür sprechen, dass die Preise nicht sinken, sondern durchaus auch weiter steigen könnten. Und zwar sind dies folgende:

  1. Gestiegene Baukosten
    Wie zuvor schon erwähnt, machen die extrem gestiegenen Baukosten den Neubau teuer. Dies erhöht den Druck auf Bestandsimmobilien. Denn hier stellt sich das Problem mit den Baukosten nicht. Wenn der Preis für Neubauten steigt, zieht dies den Preis für Bestandsimmobilien i.d.R. mit nach oben. So zumindest war es in den letzten Jahren.
    Die Preise für Bestandsimmobilien könnten daher steigen, wenn die Baukosten weiterhin hoch und unkalkulierbar bleiben sollten.

  2. Wachsende Bevölkerung - Zu wenig neu gebaute Wohnungen
    Der Fachkräftemangel besteht nach wie vor. Zusätzlich suchen Menschen wie z.B. aus der Ukraine bei uns Zuflucht. Die Anzahl der Menschen, welche dringend Wohnraum benötigen, wird demnach auch weiterhin steigen.

    a) Die aktuelle Bundesregierung hatte zur Wahl den Bau von 400.000 Wohnungen pro Jahr zugesagt. Mit Hinweis auf die extrem gestiegenen Baukosten wurde inzwischen eingeräumt, dass es wohl nun doch nur 100.000 Wohnungen pro Jahr sein werden. Auch 400.000 Wohnungen hätten nicht ausgereicht, um den Bedarf zu decken. Der Druck auf den Wohnungsmarkt und damit auf Bestandsimmobilien wird sich daher zwangsläufig auch weiterhin erhöhen.

    b) Wenn sowohl private als auch gewerbliche Bauherren Ihre Bauvorhaben wegen der hohen Baupreise und der schlechten Kalkulierbarkeit vertagen oder sogar ganz einstellen (z.B. auch aufgrund Insolvenz), dann werden hier zusätzlich weniger neue Wohnungen entstehen. Dies erhöht den Druck auf die Bestandsimmobilien, weil es weniger Neubauangebot gibt.

    Die Preise für Bestandsimmobilien könnten also steigen, weil insgesamt weniger gebaut wird.

  3. Bauzinsen niedriger als Geldentwertung (Inflation)
    Die Bauzinsen sind zwar gestiegen, die Geldentwertung aber auch. Immerhin liegt die Inflation derzeit bei etwa 8 Prozent. Noch sind die Bauzinsen mit um die 3 Prozent auf einem zwar höheren, aber erträglichen Niveau (in den 80er Jahren waren es etwa 8 Prozent). Folglich besteht weiterhin die Situation, dass es nach wie vor günstiger sein kann, einen Kredit zu bedienen, als dabei zuzusehen, wie das Geld stetig an Kaufkraft verliert.
    Es könnte sich demnach auch weiterhin lohnen zu investieren. Die Nachfrage könnte also auch weiterhin hoch bleiben, sobald sich die erste Verunsicherung gelegt hat.

  4. Fallende Aktienmärkte
    Die Energiekrise sorgt derzeit für abwärts tendierende Aktienmärkte. Die Sparzinsen sind nach wie vor unterirdisch niedrig. Es gibt sehr viel freies Kapital, welches an Kaufkraft verliert, wenn es nicht investiert ist. Immobilien könnten daher auch weiterhin eine besonders interessante Anlageform bleiben. Auch dieses könnte die Nachfrage erhöhen, sobald sich der erste Schreck gelegt hat.

  5. Inflation als faktische reale Preissenkung
    Sofern von sinkenden Preisen die Rede ist, sollte eines nicht vergessen werden. Sofern die nominellen Immobilienpreise unverändert bleiben, also stagnieren, während zeitgleich die Kaufkraft aufgrund der Inflation um derzeit 8 Prozent abnimmt, bedeutet dies, dass sich solche Immobilien, deren nomineller Preis aktuell unverändert bleibt, faktisch bereits entsprechend um bis zu 8 Prozent verbilligen. Nominell sinkende Preise würden für Verkäufer darüber hinaus einen zusätzlichen Abschlag/Verlust bedeuten. Doch keiner gibt seine ursprüngliche Vorstellung einfach so auf.
    Dies spricht gegen nominell fallende, also tatsächlich sinkende Preise.
    Sobald auf der Käuferseite deutlich wird, dass die Preise anders als spekuliert doch nicht fallen oder nur sehr geringfügig, könnte sich die derzeitige Verunsicherung in Luft auflösen und die Nachfrage steigen.

  6. Angepasstes Käuferverhalten
    Jemand, der an den Kauf einer Immobilie dachte, wird seinen Traum nicht einfach so wegen schlechterer Rahmenbedingungen aufgeben wollen und wird sicherlich nach geeigneten Alternativen suchen. Wenn die Bauzinsen und Baukosten steigen, werden größere und neue Immobilien in Toplagen vielleicht nicht mehr für jeden erschwinglich sein. Doch es gibt auch kleinere, ältere Immobilien in B-Lagen auf welche man ausweichen kann oder auch sehr viel günstigere Immobilien im Erbbaurecht.
    Das würde für eine Verlagerung der Nachfrage sprechen, aber nicht für einen Rückgang.

  7. Gesetzliche Rahmenbedingungen unverändert
    Solche gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche, wie zuvor beschrieben, die Immobilienpreise in den letzten Jahren erhöht hatten, bestehen unverändert fort.

    a) Weiterhin sind wir ein offener Markt für Investoren aus aller Welt, welche durch Ihre Infektionen in Deutschland den Markt verknappen und mit inländischen bzw. europäischen Investoren konkurrieren.

    b) Weiterhin werden Immobilien, welche zur Kapitalanlage gekauft wurden, erst nach vollständigem Ablauf der 10-jährigen Spekulationsfrist wieder ihren Weg zum Immobilienmarkt finden, da dem Verkäufer sonst eine hohe Steuerzahlung droht.

    c) Weiterhin verteuern Auflagen die Kosten im Bau und bei der Sanierung und verteuern somit die Immobilienpreise insgesamt.

    d) Weiterhin besteht das Ende 2020 eingeführte "Bestellerprinzip" bzgl. der Makler-Vermittlungsprovision, was insbesondere zu unfachmännisch ermittelten, zu hohen Mondpreis-Angeboten von privaten Verkäufern mit überzogenen Kaufpreisvorstellungen auf dem Markt führt und in Folge die Preise nach dem "was der-will-will-ich-auch-und-noch etwas-mehr"-Prinzip allgemein nach oben zieht.

 

 

Unser Fazit - Eine Einschätzung über die mögliche Preisentwicklung am Immobilienmarkt.*

 

Aus den obigen Ausführungen wird eines deutlich. Es gibt Gründe, welche sinkende Immobilienpreise (Angebotspreise) in den Bereich des Möglichen rücken. Doch es gibt genauso viele Gründe, welche genau dagegen sprechen. Eben dies macht eine Vorhersage, wie sich der Markt tatsächlich entwickeln wird, praktisch unmöglich.

Natürlich sind die gestiegenen Bauzinsen ein äußerst wichtiger Faktor, welcher eher für sinkende Preise sprechen würde, weil u.U. die Anzahl der nachfragenden Käufer, die sich noch eine eigene Immobilie leisten können, etwas geringer wird. Doch der Wohnungsdruck bleibt weiterhin extrem hoch und es gibt sowohl im Land selbst, als auch international gesehen, sehr viel freies Kapital, welches weiterhin nach Investitionsmöglichkeiten sucht. Außerdem könnten Käufer angesichts der schwierigeren Finanzierbarkeit auch ihre Vorstellungen an die neuen Gegebenheiten anpassen und statt einem ursprünglich geplanten großen Neubau - den finanziellen Möglichkeiten gemäß - eher zu einer kleineren, älteren Bestandsimmobilie greifen. Die allgemeine Nachfrage würde dann nur vorübergehend verlagert werden, geht aber nicht verloren.

Man sollte auch bedenken, dass die stetig steigenden Preise der letzten Jahre die Menschen nicht vom Immobilienkauf abgehalten hat. So manch ein Interessent, der in den letzten Jahren wegen der stetigen Preissteigerungen beim Kauf zögerte und stattdessen auf die medial beschworene, platzende Immobilienblase hoffte, hatte das Nachsehen und sich im Nachhinein schwer über die Fehlentscheidung geärgert, auf sinkende Preise zu hoffen. Warum sollte das jetzt auf einmal anders sein? Wenn es die Jahre immer wieder jemanden gab, der in der Lage und Willens war, immer höhere Kaufpreise zu bezahlen, wird es vermutlich auch weiterhin immer jemanden geben, der in der Lage und Willens ist, höhere Finanzierungskosten zu stemmen und in Kauf zu nehmen.

In den Metropolen und deren Umgebung herrscht nach wie vor großer Druck durch Wohnungsnot und Platzmangel und es ist hier keinerlei Besserung Aussicht. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass die Preise langfristig fallen. Wahrscheinlicher ist aus unserer Sicht als Makler, dass die nominellen Preise vielleicht erstmal für kurze Zeit stagnieren könnten, bis sich die allgemeine, nicht zuletzt auch von den Medien befeuerte Verunsicherung wieder legt, vielleicht auch mal mit kleineren, kurzen Ausschlägen nach oben oder unten. Wie beschrieben wäre eine nominelle preisliche Stagnation eigentlich eine faktische Verbilligung. Vermutlich dürfte eine solche Stagnation nicht lange anhalten, so dass dann die Preise schon bald wieder eine Korrektur nach oben machen und wieder langfristig stetig steigen.

Anders wäre unsere Einschätzung für Immobilien in geografischen Lagen, welche auch schon vorher weniger attraktiv waren. Also z.B. in ländlichen, weit von den Metropolen entfernten, Lagen oder auch in wirtschaftlich schwachen Regionen. Hier ist nicht auszuschließen, dass die Kaufpreise tatsächlich fallen könnten und es gab hier auch schon entsprechende Meldungen von Immobilienportalen.

Alleine schon wegen der gestiegenen Baukosten dürften Neubauten allgemein sicherlich nicht günstiger werden. Im Gegenteil. Und wenn sich die Neubaupreise erhöhen, ziehen die Bestandsimmobilien i.d.R. schon bald nach.

Bei Grundstücken allerdings könnte es diffiziler sein. Es ist nicht auszuschließen, dass das Interesse neu zu bauen - insbesondere aufgrund der hohen Baukosten - allgemein erst einmal sinkt und die Grundstückspreise in Folge etwas nachgeben könnten. Doch auch hier dürfte der Druck in den Metropolen aufgrund des Wohnungsmangels eher hoch sein, was gegen eine Senkung spricht. Nicht wenige Kapitalanleger investieren langfristig und könnten sich u.U. gerade wegen der hohen Inflation und auch wegen der instabilen Aktienmärkte  Vorrats-/Spekulationsgrundstücke kaufen, welche sie erst einmal unbebaut lassen, so dass die Baukosten hier gar nicht relevant sind. So bliebe die Nachfrage auch weiterhin bestehen.

Die Kaufpreise - gemeint sind natürlich die Angebotspreise - für Immobilien könnten also sowohl fallen, als auch zunächst stagnieren und dann wieder steigen.
Die Wahrheit ist, wir wissen es nicht. Es bleibt spannend.

 

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